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Spaced Learning - mit intelligenter Lerntechnik besser erinnern

Donnerstag, 03. August 2017 - 0 Kommentare - Kategorie: Tipps & Tricks

Wie war das nochmal...? Wir vergessen schneller als wir es uns manchmal wünschen. Und das, obwohl wir die Informationen gerade eben noch intensiv studiert haben. Um uns lange an den gelernten Stoff zu erinnern, müssen wir unser Gehirn austricksen. Der Clou dahinter: Mit Technik lernen. Ein Konzept, das dem E-Learning zugutekommt. Lesen Sie in diesem Artikel mehr zur Lerntechnik des „Spaced Learning“.

Spaced Learning - mit intelligenter Lerntechnik besser erinnern

Unser Gedächtnis ist ein Faszinosum. Bis heute erforschen Neurowissenschaftler, wie wir uns erinnern und warum wir vieles wieder vergessen. Unser Gedächtnis spielt für unsere persönliche Entwicklung und Lernerfahrung eine zentrale Rolle. Die entscheidende Frage lautet: Wie werden Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis in unser Langzeitgedächtnis überführt? Wie können wir Erinnerungen festhalten? Neben weiteren psychologischen Faktoren, wie Vorwissen, Emotionen und Intensität, lautet das Stichwort „Lerntechniken“. Wir können unser Gehirn trainieren und inzwischen gibt es zahlreiche Methoden, die nachweislich die Aufnahme- und Speicherfähigkeiten von Informationen im Gehirn aktivieren. Darunter fällt unter anderem die aus dem Englischen als „Spaced Learning“ bekannte Vorgehensweise, die auf dem Prinzip der Lernwiederholungen in bestimmten Zeitintervallen beruht. Hierauf werden wir im Folgenden noch weiter eingehen.

 

Das Prinzip von „Spaced Learning“

Viele kennen das Konzept für das Erlernen von Sprachen. Dabei handelt es sich dem Namen nach um ein „verteiltes Lernen“, das in regelmäßigen Abständen wiederholt wird. Im Gegensatz zu massierten Lernen, bei dem eine große Menge an Lernstoff in kürzester Zeit aufgenommen wird, strebt man bei verteiltem Lernen die Aufnahme von Lernhäppchen an, die stets wieder wiederholt werden1  – dies ist daher vergleichbar mit dem Vokabeltraining.

Wir wollen Ihnen diese Technik des „Spaced Learning“ – also Lernen mit Zwischenräumen bzw. im übertragenen Sinne in Zeitintervallen - für den E-Learning Bereich genauer vorstellen und einen kurzen Überblick mit Tipps und Tricks geben, die Ihnen helfen intelligenten Lerntechniken in Ihrem Kurs richtig einzusetzen.

Wir haben Ihnen bereits das Konzept von Microlearning als E-Learning Format vorgestellt, indem den Lernenden in Mikroeinheiten bzw. Lernhappen Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Dabei können ganz unterschiedliche Lernformate, wie Quizze, Screenshots, Videos oder Simulationen zum Einsatz kommen. Die hier vorgestellte Lerntechnik in Zeitintervallen kann als Baustein oder Kategorie des Microlearnings verstanden werden. Auch hier handelt es sich um eine Folge von kurzen Lernaktivitäten. Besonders kennzeichnend sind für die Spaced Learning – Technik allerdings die Wiederholungseinheiten in vorgeschriebenen Zeitintervallen.

Der Begriff „Spaced Learning“ wurde erstmals theoretisch von Douglas Fields im Jahre 2005 eingeführt.2 Die Annahme dahinter: Mittels intelligenter Algorithmen bzw. definierten Intervallen muss der Nutzer das zuvor Gelernte wiederholen – diese Vorgehensweise wird auch „spaced repetition“ im Englischen genannt.3 In der Psychologie spricht man auch vom sogenannten „spacial effect“. Dieses Phänomen wird insbesondere im Bereich der Wahrnehmungs- und Erinnerungspsychologie beobachtet. Gemeint ist damit ein auf Wiederholungen basierter Lernprozess. Mit gewissen Lernabständen lassen sich Inhalte besser aufnehmen, sodass Lernende von dem Lerneffekt langfristig profitiert. Angelehnt ist diese Theorie an die „Vergessenskurve“ nach Ebbinghaus (1985).4 Es liegt in der Natur des Menschen, dass das Gehirn nicht alles erinnern kann. Informationen haben gewissermaßen eine Halbwertszeit – innerhalb einer Stunde vergessen wir 50% des neu gewonnenen Wissens wieder. Wenn wir die Informationen also nicht regelmäßig anwenden oder auffrischen, dann bleiben Sie uns nicht im Gedächtnis. Der Forscher Ebbinghaus entwickelte hierfür das Konzept der „Vergessenskurve“.5 Auch ein übermäßiges und intensives Lernen („massed learning“) ist vom Vergessensprozess betroffen, wenn wir keine geeignete Strategie anwenden, um die Inhalte zu verinnerlichen. Die Lösung: Durch mehrfache Wiederholungen wird das aufgenommene Wissen nachweislich besser erinnert und der Verlauf des Vergessens abgemindert (siehe Grafik).

 

Vergessenskurve nach Ebbinghaus und eingebundene Lernwiederholungen nach dem Prinzip des „Spaced Learnings“; Quelle: Osmosis.org

 

Die Vorteile

Der positive Effekt dieser Lerntechnik besteht darin, dass die Lernenden ihre Synapsen durch Repetitionen stärken und gleichzeitig nicht mit Informationen kognitiv „überladen“ werden. Das Erinnerungsvermögen wird somit Stück für Stück verbessert und Informationen werden manifestiert.

Gleichzeitig steigert jene Lernmethode durch stetige Wiederholung neben einer erhöhten Wissensaufnahme und –speicherung auch das Erfolgsgefühl und damit ebenfalls die Lernmotivation. Denken Sie z.B. an Situationen, in denen Ihre Mitarbeiter unter Stress eine Aufgabe bewältigen sollen. Mittels dieser Lernmethode können sich Ihre Mitarbeiter auf ihr erlangtes Wissens (langfristig) verlassen, und ihre Aufgabe sicherer und erfolgreicher erfüllen.

 

Die Umsetzung

Wenn Sie die Methode des „Spaced Learning“ in Ihren Kurs integrieren wollen, sollten Sie ein paar Aspekte berücksichtigen. Wir stellen Ihnen sechs Tipps & Tricks vor, mit denen Sie die Prinzipien des „Spaced Learning“ bzw. der intervallgesteuerten Wiederholungen richtig und effektiv einsetzen.6

1. Aktive Erinnerungsleistung

Ein Kernelement dieser Erinnerungsmethode ist das aktive Einbinden kognitiver Leistung, das heißt eine stetige Anwendung des gelernten Wissens. Statt passiver Methoden, wie Lesen und Zuschauen, können Sie zum Beispiel interaktive Lernmethoden, wie Lernszenarien oder –simulationen, einbinden.  Aktivieren Sie die Teilnehmer z.B. mit provozierenden oder problemorientierter Fragen. Die Integration interaktiver Elemente – insbesondere mit realitätsnahem Bezug – unterstützt das Wiederholen und Erinnern der Lerninhalte, da die Nutzer das Wissen aktiv anwenden und direkt auf Ihre Alltagserfahrungen übertragen können.

2. Abwechslung in der Darstellung

Wiederholungen in Intervallen sind das Kernelement dieser Lerntechnik. Es zählt aber nicht nur was, sondern ebenso viel wie der Lernende wiederholt. Versuchen Sie Abwechslung in den Lernprozess zu bringen, indem Sie vielfältige Darstellungsformen nutzen. Wir haben Ihnen hier auf dem Blog bereits verschiedene Formate, wie Gamification, Simulationen, Grafiken, Quiz etc. vorgestellt. Die Funktion dieser interaktiven Formate liegt nicht nur in der Steigerung der Lernmotivation und Einbindung diverser Lerntypen, sondern fördert zudem die Aufnahmefähigkeit der Lernenden. Indem der Nutzer das Gelernte in ganz unterschiedlichen Settings immer wieder anwenden muss, wird die kognitive Leistung der Nutzer direkt angesprochen und beansprucht.

3. Die Zauberformel

Das Prinzip der intervallgesteuerten Formel liegt in festgelegten Wiederholungseinheiten. Die klassische Formel lautet hier: 3 Lerneinheiten zu einem Thema mit zwei 10-minütigen Pausen, in denen andere Lernziele bzw. unabhängige „Zwischenspiele“ eingebunden werden. Die Lernenden werden kurzzeitig vom zuvor Gelernten „abgelenkt“ (siehe Punkt 4). Diese Vorgehensweise ermöglicht es den Lernenden sich intensiv mit dem Inhalt auseinanderzusetzen und das erlangte Wissen nach einer kurzen Pause wieder aufzunehmen, bevor sie sich dem nächsten Lernmodul zuwenden.

4. Eingerichtete Lernpausen

Auch in Intervall-getakteten Lernmodulen sollten Sie ausreichend Pausen integrieren. Unser Gehirn braucht eine Ruhephase, in der sich der Lernstoff absetzen und verarbeitet werden kann. Diese Reflexionsphase ist nicht nur für die langfristige Wissensspeicherung relevant, sondern auch für das Verständnis und die mentale Übertragung der Information in das reale Arbeitsumfeld. Diese Pausen können als Pause vom E-Learning Kurs angelegt werden oder neuen Lernstoff beinhalten.

Wenn Sie „Spaced Learning“ in einen selbstgesteuerte, asynchronen E-Learningkurs integrieren, können Sie die Pausen mit alternativen E-Learning Aktivitäten und parallel angelegten Lerninhalten füllen. So stellen Sie sicher, dass der Lernende auch wirklich periodische Lernpausen einlegt und sich nicht übereilt durch den Kurs klickt.

5. Auf Wissen aufbauen

Indem Sie die Lerninhalte auf dem vorhandenen Wissen der Nutzer aufbauen, stärken Sie kognitive Wissensverknüpfungen und schaffen damit ein Erfolgserlebnis für die Lernenden. Wenn die Lernenden ihr bereits erlangtes Wissen auf neue Lerninhalte anwenden können, lernen Sie, ohne das Gefühl zu haben etwas angestrengt erfassen zu müssen. Mit diesem „Trick“ unterstreichen Sie zudem die Bedeutung und den Mehrwert der Lerninhalte. Nehmen wir an, Sie wollen die neuen Compliance-Guidelines einführen. Hier können Sie auf das bisherige Wissen zu den Compliance Vorschriften der Nutzer zurückgreifen und den Bogen zu den Neuerungen spannen. Machen Sie diese Verknüpfung ausreichend sichtbar. Sie schlagen sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie frischen altes Wissen auf, verknüpfen neues Wissen und beziehen den Lernenden aktiv mit ein.

6. Mit allen Sinnen lernen

Die Möglichkeiten im E-Learning sind so vielfältig, dass Sie kaum drum herumkommen eine der vielen multisensorischen Tools in Ihren Kurs zu integrieren. Von Touch-Funktionen (Anfassen) bis hin zu audiovisuellen Einbindungen (Sehen und & Hören)  können Sie eine unvergessliche Lernerfahrungen konstruieren.  So können Sie die Nutzer in Simulationen nahezu „live“ an der Szenerie teilhaben lassen, Sie durch Storytelling und Video emotional einbinden und aktiv durch Touch-Funktionen die Geschichte weiterspinnen lassen. Die Angebote sind vielfältig und häufig können Sie einzelne Features wie Animationen, Musik oder Interaktionsformate, wie Quizze aus Datenbanken auswählen. Eine einfache und äußerst effektive Lösung, um Lerninhalte erfahrbarer und erfahrungsreicher zu gestalten.


Intervall-Lernen gibt Ihren Teilnehmern eine tolle und effektive Möglichkeit das Gelernte durch Wiederholungen immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und so besser aufzunehmen und langfristig zu verarbeiten. Gleichzeitig verringern Sie mittels dieser Methode das Stresslevel der Teilnehmer, denn Sie haben die Möglichkeit die Informationen häppchenweise, wiederholend aufzunehmen und nicht überladen zu werden. Und weniger Stress bedeutet auch mehr Spaß und Aufnahmevermögen. Probieren Sie es aus. Und wenn Sie schon Erfahrungen damit haben, berichten Sie uns gerne in den Kommentaren.


Quellen:
  1. Massiertes Lernen (Glossar)
  2. Making Memories stick
  3. Spaced repetition in learning theory (Youtube-Video)
  4. Ebbinghaus, Herman (1885): Über das Gedächtnis. Untersuchungen zur experimentellen Psychologie (Memory: A Contribution to Experimental Psychology)
  5. Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus
  6. 6 Tips To Develop Spaced eLearning Courses


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