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E-Moral - Wie Sie gewissenhaft und sensibilisiert mit Daten umgehen

Montag, 16. Oktober 2017 - Kategorie: Tipps & Tricks

Daten machen uns durchschaubar. Und im E-Learning Bereich werden diese Daten auch noch genau dafür genutzt: um den Lernenden möglichst bis ins Detail zu durchleuchten - Wo liegen seine Schwächen, seine Stärken und Vorlieben? Lernanalysen sind kein neues Phänomen, dennoch sollte man sich in Zeiten von Big Data die Frage nach möglichen Folgen stellen. Wir wollen Ihnen zeigen, wo Sie die ethisch vertretbaren Grenzen der Datenanalyse ziehen und welche Fragen Sie sich hierzu unbedingt stellen sollten.

E-Moral - Wie Sie gewissenhaft und sensibilisiert mit Daten umgehen

Ein entscheidender Vorteil, der E-Learning z.B. von klassischen Präsenzschulungen unterscheidet, ist die Möglichkeit Lernwege systematisch zu verfolgen und möglichst zielgruppengerechte oder sogar personalisierter Lernwege zu konzipieren. Basis dafür bildet nicht nur die Expertise der Kurskonzepter in Zusammenarbeit mit Führungskräften, sondern auch verfügbare Nutzerdaten. Je detaillierter diese vorliegen, desto präziser die Nutzeranalyse. Vergleichbar ist diese Vorgehensweise auch mit dem Nutzen von Google Analytics. Unternehmen können hier die Klickzahlen, das Nutzungsverhalten und bereits erste Vorlieben von Websitebesuchern verfolgen und anhand dieser Daten die „User Experience“ im Hinblick auf Design, Inhalt oder Usability optimieren.1 Dennoch sollten Sie sich als Verantwortlicher nicht nur über die Effektivität der Lernanalysen mit einem großen Datenkorpus Gedanken machen, sondern auch welches Risiko Sie mit der Datenerhebung und -nutzung eingehen. Denn diese sind eng verwoben mit sensiblen Themen wie Datenschutz, Privatsphäre und dem Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer.

Eine Frage der Moral

Hinsichtlich datenschutzrechtlicher Anforderungen haben wir Ihnen bereits in einem Artikel ausführliche Hinweise gegeben, von denen Sie sich vergewissern sollten, dass Sie diese einhalten. Als Grundregel kann grundsätzlich gelten: Erheben Sie nur die Daten, die Sie wirklich brauchen und dessen Sicherheit Sie gewährleisten können. In puncto Moral und Ethik sind die Grenzen zwischen Richtig und Falsch nicht ganz so trennscharf. Im E-Learning Bereich fällt hier immer häufiger der Begriff Informationsethik. Dieser definiert, „wie wir uns, Informations- und Kommunikationstechnologien und neue Medien anbietend und nutzend, in moralischer Hinsicht verhalten bzw. verhalten sollen.“2

Moralische Fragen lassen sich häufig nicht nach festgelegtem Regelwerk, wie z.B. rechtlichen Bestimmungen, beantworten. Hier ist vielmehr Ihre persönliche Einschätzung und Verantwortung gefragt. Eine grundlegende Frage sollten Sie sich also vorab stellen: Welchen konkreten Vorteil und Nutzen hat die Erhebung der Daten und welches Risiko ist damit verbunden? Wir wollen Ihnen ein Frage und Antwort Muster vorstellen auf Basis dessen Sie ethische Grenzen für sich abstecken können, sodass Sie das Vertrauen und die Privatsphäre Ihrer Mitarbeiter schützen.3

Wer hat Zugang zu den Daten?

Eine der wichtigsten Fragen in datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Aber auch eine ethische Frage. Denn wer Zugang zu den Daten hat, hat eine Menge an Informationen, die in Kombination mit anderen persönlichen Daten auch eine große Verantwortung mit sich ziehen und sowohl vor Datenmissbrauch als auch hinsichtlich der Privatsphäre geschützt werden müssen.
Definieren Sie daher einen Verantwortlichen oder ein Verantwortungsteam, z.B. Administratoren oder Trainer, die dieser Verantwortung auch in der Arbeitspraxis gerecht werden können. Dazu gehört nicht nur eine Expertise im Umgang mit Daten, sondern auch ein ausreichendes Maß an Verantwortungsbewusstsein und (zeitliche) Kapazitäten, um z.B. in Problemfällen Entscheidungen bewusst und wohl überlegt zu fällen. Überlegen Sie auch, ob Zugriffsbeschränkungen sinnvoll sind. Braucht der Trainer oder auch der Teamleiter vollen Datenzugriff? Oder ist es wirklich relevant private Kontaktdaten, wie Adresse oder Telefonnummer einsehen oder überhaupt erheben zu müssen? Dies kann natürlich je nach Datensatz variieren. Als Faustregel gilt: Stellen Sie den jeweiligen Verantwortlichen nur die Daten bereit, die wirklich benötigt werden. Alternativ können Sie zum Beispiel auch mit anonymisierten Daten arbeiten.

Wie wird über die Nutzung der Daten verfügt? (Datennutzungsrechte)

Im ersten Schritt sollten Sie geklärt haben, wer auf die Daten zugreifen darf. Im zweiten Schritt sollten Sie aber auch die Frage stellen, wie diese Daten schließlich genutzt werden. Wer hat das entsprechende Recht Daten zu Auswertung- und Analysezwecken zu nutzen? Ist irgendwo festgelegt, wo die Grenzen der Datenauswertung liegen? Viele Daten bieten sich dafür an Marktforschung zu betreiben oder z.B. Mailadressen für das nächste interne Sales-Event zu sammeln. Stecken Sie hier deutlich die Grenzen ab. Letzteres wäre beispielsweise nicht an den Zweck der Lernprozess-Analyse gebunden. Wenn dies nicht ausdrücklich transparent gemacht wird, werden Daten zweckentfremdet. Hierbei muss nicht immer direkt ein Missbrauch vorliegen, dennoch sollten Sie so vertrauensvoll, wie möglich mit den Daten umgehen.
Dokumentieren Sie also die Nutzung der Daten! Und führen Sie ein Regelwerk ein, wann, wer und in welcher Form die Daten genutzt werden dürfen. Dies schafft auch die nötige Transparenz gegenüber der Dateneigentümer.

Wie gehen Sie mit dem individuellen Eingreifen in Daten um?

Wenn Sie die Verantwortungsbereiche und das Regelwerk definiert haben, sollte das Grundgerüst stehen mit dem Sie einen gewissenhaften Umgang der Daten gewährleisten können. Insbesondere im Bereich der Lernanalysen liegt es aber auch in der Verantwortung der Trainer bei Auffälligkeiten, z.B. hohe Fehlerquote, oder bei Hilfs-Anfragen auf die Daten zugreifen und entsprechend handeln zu können. Unabhängig von umfangreicheren Datenanalysen, sollte auch hier definiert werden, wie ein individuelles „Eingreifen“ von Kursverantwortlichen möglich und nötig ist und welchen Datenumfang dies umfasst. Auch hier der Aufruf zur Transparenz in der Kommunikation. Darüber hinaus machen Sie mit diesem personalisierten Angebot deutlich, dass die Daten, die Sie erheben für die Lernenden einen Nutzen haben, um individuell reagieren oder Feedback geben zu können.

Kann die Sicherheit und Lokation der Daten sichergestellt werden?

Unternehmen lagern die Massen an Daten immer häufiger auf externe Server aus, dessen Sicherheit z.B. aufgrund der geografischen und zeitlichen Unterschiede
oder länderspezifischen Bestimmungen im (akuten) Notfall nicht gewährleistet werden kann. Unabhängig davon, wie Sie rechtlich damit abgesichert sind, sollten Sie sich hier die Frage stellen, ob und wo Sie die Datenspeicherung auf höchsten Niveau sichern können. Sicherheitslücken und Datenlecks sind ein großes Problem, mit dem wir auch als Privatpersonen immer wieder konfrontiert sind, z.B. andauernder Spam, Passwortdiebstahl etc. Überlegen Sie, wie Sie in der Verantwortung als Arbeitgeber und Datenverfüger handeln, um Misstrauen entgegenzuwirken.

Last but not least: Sind die Nutzer aufgeklärt? Und haben die Nutzer für alle Vorgänge Ihre Einwilligung gegeben?

Auch dies ist datenschutzrechtlich festgelegt. Sie müssen sich die Legimitation zur Erhebung, Nutzung und Analyse der Daten von den Betroffenen, in diesem Fall von den Lernenden Ihres E-Learning Kurses, einholen. Aber auch hier der Appell an die Moral: Wenn jemand wichtige Informationen von Ihnen zu einem bestimmten Zweck benötigt, dann möchten auch Sie vorher gefragt werden, bevor er an Ihrem Arbeitsplatz Ordner und Unterlagen durchforstet. Ein ähnliches Prinzip steckt auch hinter Lernanalysen. Viele Nutzer kennen diese Vorgehensweise bereits aus dem Internet. Allerdings steht hier häufig die ethische Frage im Raum, ob (1) der Nutzer wirklich umfassend darüber aufgeklärt wird, was in welchem Umfang mit seinen Daten passiert und (2) ob dieses Einwilligungen wirklich auf zweckbestimmten Handlungen basieren.
Rechtlich gesehen, sind Sie mit einer Einwilligung auf der sicheren Seite, gehen Sie lieber aber noch einen Schritt weiter und machen Sie die Datennutzungsprozesse transparent und verständlich. Klären Sie ausführlich darüber auf, wie und zu welchem Zweck die Daten verwendet werden, dann wissen die Lernenden genau worauf Sie sich einlassen.
Wie heißt es so schön: Ehrlichkeit währt am längsten. Wenn Sie sowohl die Sicherheit als auch die Zweckbestimmung der Daten definieren und gewährleisten können, dann sieht Ihnen in puncto Ethik keiner nach.


Quellen:
  1. The Learning Analytics Revolution
  2. Informationsethik
  3. 7 Ethical Concerns With Learning Analytics

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