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Die "Vergessenskurve" im E-Learning

Freitag, 16. März 2018 - Kategorie: Wissenschaft & Forschung

Das Design und der Inhalt Ihres E-Learningkurses kann hervorragend gestaltet sein und trotzdem kann es vorkommen, dass Teilnehmer den Großteil des Gelernten schnell wieder vergessen. Warum ist das eigentlich so? Dies beantwortet das lernpsychologische Konzept der „Vergessenskurve“, entwickelt vom deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus. Was genau dieses besagt, und wie Sie jenes Wissen für Ihren E-Learning Kurs nutzen können, lernen Sie in diesem Artikel.

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Die „Vergessenskurve“ im E-Learning

Das menschliche Gehirn ist die zentrale Steuerzelle unseres Körpers. Es ist dazu in der Lage, unvorstellbare Mengen an Informationen abzuspeichern und komplizierte Aufgaben zu lösen. Doch auch das Gehirn hat seine Schwächen – und dies sind vor allem seine begrenzte Speicherkapazität. Denn neu erlerntes Wissen wandert keineswegs automatisch ins Langzeitgedächtnis, sondern wird enorm von der „Vergessenskurve1“ beeinflusst. E-Learning Spezialisten sollten dieses Konzept kennen, um langfristig effektive Trainings gestalten zu können. Denn was bringt ein E-Learning Kurs, wenn sich die Teilnehmer durch kognitive Überlastung wenig bis nichts davon merken können?

Was besagt das Konzept der „Vergessenskurve“?

Hermann Ebbinghaus, ein deutscher Psychologe, befasste sich mit dem menschlichen Gedächtnis und dessen Speicherkapazität bereits Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Anhand von Experimenten stellte er fest, in wie weit das menschliche Gehirn neu erlerntes Wissen behält. Seine Erkenntnis war folgende: Schon kurz nachdem das Gehirn neue Informationen aufgenommen hat, wird der Großteil wieder vergessen. Es wurde in Studien gezeigt, dass bereits nach zwanzig Minuten nur noch sechzig Prozent des Gelernten beibehalten wird. Nach vierundzwanzig Stunden sind es sogar nur noch knapp dreißig Prozent (siehe Grafik)2. Dem kann nur entgegengewirkt werden, wenn das erlernte Wissen praktisch angewandt oder regelmäßig wiederholt wird. Auf diesem Wege gelangt das Wissen vomKurz- ins Langzeitgedächtnis und bleibt somit langfristig erhalten.

Aus der Ebbinghaus Studie können einige Schlüsselprinzipien abgeleitet werden, welche auch für den E-Learning Bereich von Bedeutung sind.

  1. Je realer der Bezug zum Gelernten ist, desto leichter fällt es den Lernenden, die Informationen abzuspeichern. Sie müssen dem Wissen eine persönliche Bedeutung zuweisen können.
  2. Lernende brauchen mehr Zeit dafür, große Informationswuchten aufzunehmen, als kleine „Lernpakete“ (vgl. hierzu auch „Microlearning“).
  3. Durch Wiederholungen fällt den Nutzern das langfristige Lernen leichter. Zudem wird die Dauer bis zum Vergessen mit jedem Wiederholen deutlich verlängert. Vereinfacht gesagt – es wird nicht mehr ganz so schnell vergessen, wie beim ersten Mal Lernen.
  4. Bereits einige Minuten nachdem Lernende sich neues Wissen angeeignet haben (zum Beispiel direkt nach einem Onlinekurs), beginnt der Vergessensprozess. Wie man auf der oberen Grafik erkennen kann, sinkt das Erinnerungsvermögen in den ersten zwanzig Minuten am stärksten.

Insgesamt wurde durch zahlreiche Studien bewiesen, dass nach einem Monat ohne regelmäßige Wiederholung des neu erlernten Wissens bis zu neunzig Prozent wieder vergessen werden. Dies ist natürlich bei jedem Lernenden unterschiedlich ausgeprägt, da auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Ausprägung der Fähigkeit des Auswendiglernens, aber auch genetische Faktoren, eine Rolle spielen. Grundsätzlich selektiert unser Gehirn neue Informationen jedoch sehr stark, weshalb nicht angewandtes Wissen wieder verschwindet.

Bei der Erstellung eines E-Learning Kurses sollte man idealerweise immer die Vergessenskurve und deren Erkenntnisse beachten. Die einzelnen Kurseinheiten sollten beispielsweise so kurz wie möglich gehalten werden und regelmäßig wiederholt werden. Nur so kann kognitive Überlastung der Lernenden vermieden, und langfristiges Wissen aufgebaut werden. Die Kursteilnehmer werden es Ihnen danken!

Tipps zur langfristigen Wissenserhaltung durch E-Learning Kurse:

  1. Wie bereits erwähnt, müssen Lernende den realen Bezug zum Gelernten sehen, damit ihnen das Behalten der Informationen leichter fällt. Dies kann zum Beispiel durch reale Beispiele, Simulationen oder Ähnliches geschehen. Auf diesem Wege wird das Wissen praktisch angewandt und dem Vergessensprozess entgegengewirkt.
  2. Lernerfolge sollten den Teilnehmern regelmäßig vor Augen gehalten werden, um diese motiviert zu halten und zur Wiederholung des Erlernten anzuregen. Erstellen Sie dazu, zum Beispiel, ein Quiz zur Abfrage jeder Lerneinheit, bei dem die Lernenden ihren Wissensstand überprüfen können.
  3. Nicht jeder hat dasselbe Lerntempo und das ist keineswegs schlimm. Versuchen Sie jedoch, etwas langsamere Teilnehmer zu erkennen (beispielsweise durch die Abfragen nach jeder Lektion) und bei Bedarf durch zusätzliche Wiederholungskurse zu unterstützen.
  4. Achten Sie darauf, Ihren Lernenden kleine Wissensportionen bereitzustellen um kognitive Überlastung zu vermeiden und geben Sie ihnen die Möglichkeit selbst über das Lerntempo zu entscheiden. Nur so wird Druck bei den Teilnehmern vermieden und sie können sich komplett der Informationsaufnahme widmen, ohne sich mit anderen Lernenden zu vergleichen.


Das lernpsychologische Konzept der Vergessenskurve sollte in jedem Fall bei der Planung und Erstellung Ihres E-Learning Kurses beachtet werden, damit Ihre Teilnehmer nicht nur kurzfristig etwas von Ihrem Kurs haben, sondern auch auf lange Sicht profitieren!


Quellen:
  1. The Forgetting Curve in eLearning: What eLearning Professionals Should Know
  2. Gedächtnis I: Lernen und Behalten

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