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Mentale Modelle im E-Learning – Wissen verstehen

Donnerstag, 18. März 2021 - Kategorie: Wissenschaft & Forschung

Mentale Modelle sind fester Bestandteil unserer Alltagswelt. Wir ziehen sie zum Beispiel heran, wenn wir auf unbekannte Situationen treffen, gleichen diese mit ähnlichen ab und handeln, wie wir es gewohnt sind. So konstruieren wir ein mentales Modell, mit dem wir schnell und erfolgversprechend handeln. Diese Tatsache lässt sich auf digitale Kurse übertragen: Mentale Modelle dienen als leistungsstarkes Instrument, E-Learning-Projekte auf ein neues Level zu bringen.

Mentale Modelle im E-Learning – Wissen verstehen

Erfahrungen haben stets einen Lerneffekt: Was Sie erleben, prägt sich in Ihr Gedächtnis ein. Später nutzen Sie die Information, um eine neue Situation zu bewerten. Idealerweise wenden User diese Methode auch im E-Learning an: Sie haben etwas gelernt und nutzen diese Fähigkeit für eine neue Aufgabe. So einfach, wie es klingt, ist es jedoch nicht. Die Crux dabei, mentale Modelle in die Erarbeitung digitaler Kurse zu implementieren: Jeder Mensch denkt anders. Teilnehmer A zieht eine völlig andere Betrachtungsweise für eine Fragestellung heran als Teilnehmer B. Man kann jedoch unmöglich jeden User einzeln zu seinen mentalen Modellen zu befragen. Was also tun?1

Mentale Modelle verstehen

Ein mentales Modell repräsentiert einen Prozess, eine Situation oder auch einen Gegenstand im menschlichen Bewusstsein. Es bildet jedoch immer nur einen Ausschnitt von dem ab, was „tatsächlich“ geschah. Unsere Sinnesorgane filtern und verändern die erfahrenen Situationen. Was bleibt, ist die Essenz aus dem Erlebten: Insbesondere die Struktur eines Ereignisses oder einer Tatsache bleibt im Gedächtnis.

Das Konstrukt des mentalen Modells geht zurück auf den Philosophen Ludwig Wittgenstein.2 Er beschreibt in seinem 1918 erschienen Werk „Tractatus Logico-Philosophicus“ die Idee als ein „Modell der Wirklichkeit“. Schon Kinder verknüpfen ihre Wahrnehmungen im Gehirn und ordnen sie in einem für sie sinnvollen Modell an. Wahrnehmung jeder Art, ob visuell oder auditiv, erzeugt ein mentales Modell. Wir machen uns damit ein Bild von der Welt. Durch Schlussfolgerungen und Nachdenken verändern wir dieses, manipulieren das mentale Modell innerlich.

Wie lassen sich mentale Modelle im E-Learning nutzen?

Angenommen, Sie planen einen E-Learning-Kurs für eine definierte Zielgruppe. Wie gehen Sie üblicherweise vor? In der Regel lassen Sie sich von Ihren bisherigen Annahmen leiten: Was hat bislang funktioniert, welche Elemente sind allgemein anerkannt und haben sich in der Vergangenheit bewährt? So erstellen Sie einen Kurs, der die Anforderungen der Teilnehmer bestmöglich abbilden soll. Damit der Lerneffekt eintritt, sollte eine digitale Weiterbildung jedoch einige Voraussetzungen erfüllen:

  • Intuitiv verständlich sein,
  • an bekannte Muster anknüpfen,
  • eine einfache Navigation erlauben.

Nun denkt aber jeder Nutzer anders, verfügt über einen unterschiedlichen Erfahrungshorizont, sprich, über völlig verschiedene mentale Modelle. Es ist nicht möglich, einen Kurs individuell auf nur eine Person zuzuschneiden. Sie bedienen sich folglich zu einem großen Teil allgemeiner Annahmen. Es gibt allerdings Methoden, im Rahmen einer Analyse mentale Modelle zu identifizieren und einen Kurs zu erstellen, der einen hohen Konsens findet.

Mentale Modelle identifizieren: Methoden und Herausforderungen

Sie möchten wissen, wie Ihre Teilnehmer in bestimmten Situationen reagieren, etwa bei der Bedienung von Systemen oder Maschinen oder bei definierten Arbeitsabläufen. Dafür ist es notwendig, die dahinter stehenden mentalen Modelle offenzulegen.3 So finden Sie heraus, ob es eine gemeinsame Vision gibt oder Unklarheit über bestimmte Prozesse herrscht. Das ist ein erster Schritt zur Zusammenstellung von Kursmaterialien. Wie decken Sie mentale Modelle auf? Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:4

Nutzerbefragungen in verschiedenen Gruppen: Interviews, Fragebögen oder Diskussionsrunden in definierten Zielgruppen sind hervorragende Möglichkeiten, die Annahmen einer Vielzahl an Anwendern zu erfahren. Wichtig: die Zielgruppendefinition. Bleiben Sie hier innerhalb einer Gruppe, etwa aus einer Abteilung oder aus einem Joblevel.
Feedback und Analyse: Die Überprüfung früherer Kursergebnisse und Lernmethoden gibt Aufschluss über die Konzeption zukünftiger Kurse. So decken Sie unter anderem auf, wie Nutzer in einem System agieren und navigieren.
Beobachtung: Simulationen dienen dazu, die Lösungswege aufzudecken und die Leistung zu kontrollieren. In Remote-Systemen lässt sich dies am Rechner realisieren. Eine persönliche Beobachtung ist nicht notwendig (sie verfälschte voraussichtlich die Ergebnisse). Fühlen sich die Nutzer unbeobachtet, lassen sich dagegen wertvolle Erkenntnisse erzielen.

Mentale Modelle identifizieren: Es gibt nicht nur einen Weg

Die genannten Methoden können gemeinsam zur Anwendung kommen, um möglichst umfangreiche Daten zu gewinnen. Im Anschluss steht die Analyse. Lassen Sie alle Informationen zusammenfließen, etwa in einem Diagramm, um Schwachstellen oder Wissenslücken aufzudecken. So erkennen Sie, wo die Teilnehmer Unterstützung benötigen, welche Themen noch einmal erörtert werden sollten und was bereits bekannt ist und damit nicht mehr Bestandteil des Kurses sein muss.

Das Wissen über die vorhandenen mentalen Modelle birgt darüber hinaus das Potenzial, sie zu verändern – etwa bei Fehlannahmen. Häufig sind sich die Teilnehmer ihrer mentalen Modelle nicht bewusst. So haben sie zwar bestimmte Annahmen und Überzeugungen, die jedoch fehlerhaft sind und am beruflichen Erfolg hindern oder zu falschen Erwartungen in bestimmten Situationen führen. Die gute Nachricht: Mentale Modelle sind flexibel, sie lassen sich verändern. Das führt schließlich zu neuen Erkenntnissen und zu einer gemeinsamen Denkweise – das Team ist komplett auf einem Wissensstand und wendet Maschinen, Systeme und Tools geschlossen an. Das minimiert Konflikte und führt schließlich zu einem höheren Erfolg.

Der Einfluss mentaler Modelle auf die Darstellung und Usability von Kursen

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum Websites sich in ihrem Aufbau häufig ähneln? Die Antwort ist zum einen die technische Seite: Mit Style-Templates und Redaktionssystemen zu arbeiten, erleichtert das Webdesign. Wichtiger ist allerdings die Tatsache: Was sich bewährt, wird kopiert. Die Nutzer haben bei der Nutzung von Websites – und E-Learning-Kursen – bestimmte mentale Modelle im Kopf, wie eine Seite auszusehen hat. Dies zu berücksichtigen, führt zu einer höheren Usability und erfolgreicheren Kursen.

Das Vertraute im Neuen finden – Fazit

Mentale Modelle basieren auf vorhandener Erfahrung. Diese Tatsache hilft dabei, leichter zu lernen. Stellen die Teilnehmer in neuen Inhalten Ähnlichkeiten zu früheren Kursen fest, behalten sie das Neue einfacher. Das bedeutet auch: Ein durchdachtes E-Learning-Design kann dabei helfen, das Vertraute im Neuen zu finden und besser zu verstehen.


Quellen:
  1. Mental Models: Everything eLearning Professionals Need To Know
  2. Mentales Modell
  3. Ein Evergreen: Die Idee der ‚lernenden Organisation‘
  4. Mental Models: Everything eLearning Professionals Need To Know

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