Richtig lernen muss gelernt sein – Teil 2

Dienstag, 06. November 2018 - Kategorie: Tipps & Tricks

Durch die Betrachtung der Denkprozesse des menschlichen Gehirns kann den Teilnehmern Ihres E-Learning Kurses das Lernen deutlich vereinfacht werden. In dem zweiten Teil unseres Artikels zu diesem Thema erfahren Sie nun, wie die Integration der kognitiven Architektur bei Ihrem E-Learning zum „richtigen“ lernen beitragen kann und weshalb eine Belastung des Gehirns durch einen Informationsüberfluss vermieden werden sollte.

Richtig lernen muss gelernt sein – Teil 2

Kognitive Architektur

Im letzten Teil unseres Artikels haben Sie bereits erfahren, dass jeglicher Inhalt, der gelernt werden soll über das Arbeitsgedächtnis in das Langzeitgedächtnis gelangen muss. Zur Wiederholung hier eine kleine Grafik als Zusammenfassung:

In Anlehnung an: “The long and winding road of learning” 
Icons: Erstellt von “Smashicons” von www.flaticon.com
 

Das Kurzzeitgedächtnis wurde in der oberen Grafik bewusst ausgelassen, da Informationen nur dann vom Arbeitsgedächtnis verarbeitet werden, wenn eine Information genügend Aufmerksamkeit durch unsere Wahrnehmung bekommt. Unsere Sinne müssen der Information somit zunächst eine Bedeutung zuweisen, da es ansonsten innerhalb weniger Sekunden irrelevant für unser Gehirn wird, und somit gar nicht erst ins Arbeitsgedächtnis gelangt.
Durch den komplizierten Prozess des Lernens dauert es eine gewisse Zeit, bis neue Informationen zu tatsächlichem Wissen umgewandelt werden, welches im Langzeitgedächtnis verankert wird. Schwierigkeiten beim Lernen entstehen vor allem dann, wenn (noch) keine Schemata (zur Wiederholung: die bereits strukturierten Informationseinheiten im Langzeitgedächtnis) zu einem bestimmten Thema vorhanden sind. In diesem Fall fängt der Lernende quasi von Null an, und es muss ein neues Schemata im Gehirn aufgebaut werden. Wenn jemand hingegen Vorwissen in einem bestimmten Themengebiet hat, können die neuen Informationen mit bereits vorhanden Schemata verknüpft werden, weshalb der Lernprozess in diesem Fall schneller und einfacher verläuft.

Das Arbeitsgedächtnis unterstützen1

Die größte Schwäche im Denkprozess stellt aufgrund der geringen Kapazität das Arbeitsgedächtnis dar. Doch diese Schwäche kann durch ein (Online-)Training, welches mit der kognitiven Architektur des menschlichen Gehirns im Einklang ist, gemindert werden. Laut der „Cognitive Load Theory“ von John Sweller sollten E-Learning Kurse so entwickelt werden, dass kognitive Überlastung des Arbeitsgedächtnisses, welches für die Informationsverarbeitung zuständig ist, effektiv vermieden wird.
Wie bereits eben erklärt spielt unsere Aufmerksamkeit im Lernprozess eine besonders wichtige Rolle, da neue Informationen nur ins Arbeitsgedächtnis gelangen, wenn diesen genug Beachtung geschenkt wird. Bevor das Wissen dann im nächsten Schritt ins Langzeitgedächtnis gelangen kann, muss es zunächst im Arbeitsgedächtnis verarbeitet werden. Diese Verarbeitung vollzieht sich jedoch relativ langsam, besonders wenn es sich um für uns neue Informationen handelt.
Haben Sie schon mal etwas von der „Millerschen Zahl“ gehört? Dieses Konzept meint, dass das Arbeitsgedächtnis circa 5+/-2 Informationseinheiten auf einmal aufnehmen kann. Neue wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass diese Zahl sogar geringer ausfallen könnte2 (2-3 Informationseinheiten auf einmal). Aus diesem Grund sollte es vermieden werden, ein (Online-)Training mit zu vielen Informationen zu füllen. Hier sind einige konkrete Vorschläge von Sweller, wie das Arbeitsgedächtnis entlastet werden kann, damit es effektiver neue Informationen aufnimmt:

1. Geteilte Aufmerksamkeit

Ein wichtiger Aspekt um kognitive Überlastung des Arbeitsgedächtnisses zu vermeiden ist es, zusammengehörende Informationen auch gemeinsam darzustellen. Dadurch wird vermieden, dass die Aufmerksamkeit „aufgeteilt“ werden muss.

Ein Beispiel: Wenn sie bei einem Online-Training einen Graphen (oder ähnliches) präsentieren, sollte die zugehörige Erklärung direkt neben oder unter dem Bild zu sehen sein, anstatt dass diese erst auf der folgenden Seite kommt. Eine geteilte Aufmerksamkeit wird vermeiden und somit fällt dem Arbeitsgedächtnis das Erlernen der neuen Informationen deutlich leichter, da die Aufmerksamkeit sowohl zeitlich als auch visuell gebündelt wird!

Tipp: Kontrollieren Sie Ihre aktuellen E-Learning Kursinhalte indem Sie überprüfen, ob zusammengehörende Daten und Informationen auch wirklich zusammen abgebildet sind. Damit wird das Wissen für den Lernenden einfacher zu verstehen sein.

2. Redundanz

Laut dem Duden bedeutet Redundanz: „Das Vorhandensein von eigentlich überflüssigen, für die Information nicht notwendigen Elementen“. Auch was die Lernfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses angeht, kann Redundanz unerwünschte Effekte erzielen. Denn wenn dieselben Informationen dem Lernenden in verschiedenen (z.B. multimedialen) Varianten gezeigt werden, erfordert dies zusätzliche Anstrengung des Arbeitsgedächtnisses. Die zusätzlichen Informationen müssen dann nämlich miteinander verglichen und auf (Un-)Stimmigkeit überprüft werden, was ebenfalls zu kognitiver Überlastung führen kann. Hier einige Beispiele für Redundanz, welche vermieden werden sollten:

• Einfache, sich selbsterklärende Grafiken zusätzlich verbal erklären
• Zusätzliche, jedoch für den Wissenserwerb irrelevante Informationen hinzufügen
• Zu detaillierte Erklärungen von Diagrammen mit vielen Abschweifungen etc.

Tipp: Stellen Sie sicher, dass nur essentielle Informationen in Ihrem Online-Kurs integriert sind und vermeiden sie jegliche Art von Doppelungen!

3. Interaktivität

Die Interaktivität einzelner Elemente in Ihrem Online-Training beschreibt den Grad, wie viele Komponenten gleichzeitig vom Arbeitsgedächtnis verarbeitet werden müssen, um die Materie als Ganzes zu verstehen. Informationen, welche eine niedrige Interaktivität besitzen können somit einzeln und ohne das Hinzufügen anderer Informationen verarbeitet werden, was die Aufnahme einfacher macht. Bei einer hohen Interaktivität hängen die einzelnen Elemente hingegen voneinander ab, weshalb sie nur als gesamte Einheit verstanden werden können.

Tipp: Beachten Sie Interaktivität bei der Erstellung Ihrer Online-Kurse! Besonders bei einer hohen Interaktivität neuer Information muss die Aufmerksamkeit gebündelt und die Redundanz reduziert werden. Dies hilft den Lernenden dabei, die komplizierten Verknüpfungen des jeweiligen Themengebietes einfacher zu verstehen und kognitive Überlastung des Arbeitsgedächtnisses zu vermeiden.


Hoffentlich konnten auch Sie sich durch diesen Artikel zusätzliches, neues Wissen über die Denkprozesse des menschlichen Gehirns aneignen. Nutzen Sie dieses, um Ihren Kursteilnehmern das Lernen zukünftig angenehmer zu gestalten, indem sie deren Arbeitsgedächtnis entlasten. Durch das Einbeziehen der aufgezählten Tipps profitieren zudem sowohl Sie, als auch Ihre Lernenden von dem auf die kognitive Architektur des menschlichen Gehirns abgestimmten E-Learning!


Quellen:
  1. How To Help People Learn: An Insight
  2. Instructional Design and Human Cognitive Architecture

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